Manche Bücher vergisst man nie. Sie berühren nicht nur, sie rütteln wach. Das neue Buch von Gamze Kubasik und Semiya Simsek, das erst am 27. August erschienen ist, gehört definitiv dazu. Es ist eine zutiefst persönliche Reise der beiden Töchter, deren Väter Opfer der rechtsextremen NSU-Mordserie wurden. Ein Buch, das nicht nur von Schmerz erzählt, sondern von einem unermüdlichen Kampf um Erinnerung, Gerechtigkeit und Würde.
“Sind wir noch sicher in diesem Land, das eigentlich unsere HEIMAT ist?“
Diese Frage, die Semiya und Gamze sich in den schlimmsten Momenten ihres Lebens stellten, zieht sich durch die Seiten und macht die unvorstellbare Hilflosigkeit der Familien greifbar. Wie können die Opfer zu Verdächtigen werden? Wie können behördliche Fehler und Vorurteile so viel Leid verursachen?
Ein Blick hinter die Schlagzeilen
Gamze war 20, Semiya gerade 14, als ihre Väter hinterhältig und ohne jeden ersichtlichen Grund ermordet wurden. Anstatt die Täter zu finden, ermittelte die Polizei im Umfeld der Opfer – eine unfassbare Ungerechtigkeit, die das Leid der Familien noch verstärkte.
In ihrem Buch „Unser Schmerz ist unsere Kraft“ führen uns die Autorinnen zurück zu diesen schrecklichen Tagen. Sie zeigen, wo fatale Fehler gemacht wurden, welche Versprechen nie eingehalten wurden und warum ihre Väter sterben mussten. Sie geben den neun Opfern rechtsextremer Gewalt ein Gesicht und eine Stimme. Und sie zeigen, wie aus persönlichem Schmerz eine kollektive Kraft für Aufklärung und Veränderung entstehen kann.
Mehr als nur ein Buch – ein Stück deutsche Erinnerungskultur
Für mich ist diese Lektüre unverzichtbar. Sie hat mich zutiefst erschüttert und gleichzeitig wachgerüttelt. Als die NSU-Mordserie begann, war ich selbst noch ein Kind und habe die Ereignisse kaum mitbekommen. Dieses Buch schließt diese Wissenslücke auf eine sehr menschliche und emotionale Weise.
Es verdeutlicht, wie wichtig eine lückenlose Aufarbeitung durch Behörden und Politik ist. Und es zeigt, dass es sich lohnt, für Wahrheit und Gerechtigkeit zu kämpfen. Mit Features wie QR-Codes, die zu Zeitungsartikeln führen, und den vielen türkischen Sätzen, die übersetzt werden, wird das Buch zu einem einzigartigen und authentischen Erlebnis.
Deshalb bin ich überzeugt: Dieses Buch sollte eine Pflichtlektüre in unseren Schulen werden. Es ist ein aufrüttelnder und essenzieller Beitrag zur Erinnerungskultur, der uns alle angeht.
Ein riesiges Dankeschön an Gamze Kubasik, Semiya Simsek und Christine Werner für ihren Mut, diese wichtige Geschichte zu erzählen. Und danke an Fischer Sauerländer für das Rezensionsexemplar.

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