Die große Buchmesse – ein Magnet für alle Bücherfans! Neue Schmöker entdecken, die Lieblingsautoren treffen, in das bunte Treiben der Literaturwelt eintauchen. Für viele von uns, die mit Autismus (ASS) oder ADHS unterwegs sind (oder beides!), kann dieses Erlebnis aber auch schnell zur Reizüberflutung und totalen Erschöpfung führen.
Das Gedränge, die Lautstärke, die vielen Gerüche und Eindrücke – das alles kann besonders herausfordernd sein. Trotzdem musst du nicht darauf verzichten! Denn mit der richtigen Vorbereitung und ein paar einfachen Tricks wird dein Messebesuch zu einem stressfreien und bereichernden Abenteuer.
Manche von uns lieben große Events und wollen reden, dazugehören!
Viele denken, dass Menschen aus dem Autismus-Spektrum oder mit ADHS große Veranstaltungen generell meiden oder kein Interesse an sozialen Interaktionen haben. Das stimmt so aber nicht.
Im Gegenteil: Viele Autisten und ADHSler sind große Fans von Konzerten, Festivals oder Sportevents! Warum? Weil dort oft ein klarer Fokus, eine vorhersehbare Struktur (Ablauf der Show), ein klarer Reiz (Musik) oder die Möglichkeit zur Hyperfokussierung auf das Kernerlebnis gegeben ist.
Und was die Kommunikation betrifft: Menschen mit ASS oder AuDHS haben oft ein großes, wenn auch spezifisches, Interesse an Kommunikation – besonders dann, wenn es um ein Spezialgebiet oder ein tiefgehendes Thema geht. Sie wollen sich austauschen und vernetzen! Die Herausforderung auf der Buchmesse ist nicht das „Großevent“ oder das „Reden“ an sich, sondern die unstrukturierte Reizdichte aus Geräuschen, Gerüchen, Berührungen und der permanenten Notwendigkeit, schnell auf neue, oberflächliche Situationen zu reagieren. Doch genau dafür gibt es Lösungen!
Der Guide für deinen entspannten Messebesuch
Dein Ziel: Das Beste aus der Messe herausholen, ohne dich dabei selbst zu verlieren.
1. Die Strategie ist der Schlüssel: Vorbereitung ist alles
- Der Fokus-Plan: Schau dir das Programm und den Hallenplan im Voraus genau an. Markiere die Stände und Events, die du unbedingt sehen möchtest. Reduziere die Menge. Besser zwei Stände fokussiert besuchen als zehn nur überfliegen und erschöpft sein.
- Die Stress-Puffer: Plane nicht zu eng. Lass zwischen den Terminen und Ständen bewusst 30 Minuten „Pufferzeit“ für den Weg, eine spontane Pause oder falls ein Gang doch viel voller ist als erwartet.
- Antizyklisch gehen: Oft sind die Haupthallen zur Mittagszeit am vollsten. Überlege, ob du deinen Besuch am Vormittag startest, eine längere Pause außerhalb der Messe machst und am späten Nachmittag zurückkehrst, wenn die ersten Besucher schon gehen.
2. Der wichtigste Anker: Nimm eine Begleitperson mit
Der einfachste und effektivste Trick gegen Überforderung ist ein Anker im Chaos.
- Die vertraute Person: Nimm eine Person deines Vertrauens mit, wie zum Beispiel deinen Mann. Deine Partnerin oder Freund*in kann dir helfen, die Komplexität der Messe zu reduzieren.
- Aufgaben delegieren: Deine Begleitung kann die „Frontfrau“ oder der „Puffer“ sein. Das kann bedeuten: Sie kümmert sich um den Ticketscan, navigiert durch die vollen Gänge (und läuft voraus), oder fungiert als „Übersetzer*in“, um kurze Smalltalk-Situationen oder unvorhergesehene Fragen abzufangen, damit du dich auf das Kernthema konzentrieren kannst.
- Das Stopp-Zeichen: Vereinbart ein klares, nonverbales Signal. Sobald du das Signal gibst (z.B. ein kurzes Tippen auf den Arm), weiß deine Partnerin, dass du sofort eine Pause oder einen Ortswechsel brauchst – ohne dass du dich erst mühsam erklären musst.
3. Dein Notfall-Kit: Was in den Rucksack gehört
- Der Gehörschutz: Unverzichtbar! Ob Noise-Cancelling-Kopfhörer (ideal für ADHS, um Ablenkungen zu minimieren) oder dezente Ohrstöpsel (ideal für ASS, um die Lautstärke zu dämpfen) – schütze deine Ohren vor dem Lärmpegel.
- Das „Futter“: Die Essensstände sind teuer, laut und oft überfüllt. Pack dir deine eigenen vertrauten Snacks und eine große Flasche Wasser ein. Traubenzucker oder ein kleiner Energieriegel helfen gegen den „Brain-Fog“ durch Unterzuckerung.
- Stimming und Beruhigung: Nimm einen Gegenstand mit, der dich beruhigt (Fidget Toy, Stressball, Lieblingstuch). So hast du ein vertrautes Element, auf das du dich in stressigen Momenten konzentrieren kannst.
- Der Zwiebel-Look: Die Hallen sind oft stickig und warm, draußen ist es kalt. Kleide dich in Schichten, die du schnell an- und ausziehen kannst, um die sensorische Belastung durch Temperaturschwankungen zu vermeiden.
- Bequeme Schuhe: Du wirst viel stehen und gehen. Wähle die bequemsten Schuhe, die du besitzt. Deine Füße werden es dir danken.
4. Pausen – Deine wichtigsten Termine
- Pausenräume suchen: Viele große Buchmessen bieten mittlerweile ausgewiesene, ruhigere Zonen oder Ruheräume an. Suche diese Plätze auf dem Hallenplan und nutze sie regelmäßig für kurze Auszeiten, auch wenn du denkst, du brauchst sie gerade nicht.
- Frische Luft: Verlasse die Hallen bewusst. Ein paar Minuten im Freien, die Augen schließen und tief durchatmen kann Wunder wirken.
- Abschalten: Setze dich auf eine Bank, mach deine Kopfhörer an und höre für zehn Minuten deine Lieblingsmusik oder ein beruhigendes Hörbuch. Gib deinem Gehirn Zeit, die Eindrücke zu verarbeiten.
5. Die Interaktion meistern
- Klar kommunizieren: Wenn du dich überfordert fühlst, ist es in Ordnung, das mitzuteilen. „Entschuldige, ich brauche einen Moment Ruhe“ oder „Ich kann mich gerade nicht konzentrieren“ sind völlig akzeptable Sätze.
- Pitch vorbereiten (falls nötig): Wenn du ein Autor bist und Verlage ansprechen möchtest (ADHS-Tipp), dann bereite deinen „Elevator Pitch“ (die Kurzvorstellung deines Projekts) perfekt vor. So musst du im stressigen Moment nicht improvisieren und kannst dich auf das Auswendiggelernte verlassen. Das gibt Sicherheit.
Die Buchmesse ist ein Fest der Worte und Geschichten. Es ist dein gutes Recht, dieses Fest auf eine Weise zu erleben, die sich für dich richtig anfühlt. Mit diesen Vorbereitungen und der Unterstützung deiner Begleitung schaffst du dir deinen sicheren Rahmen und kannst dich ganz auf die Freude am Entdecken und das tiefe Kommunizieren konzentrieren. Viel Spaß auf deinem literarischen Abenteuer!

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