Sprachförderung findet nicht am Schreibtisch statt – sie passiert auf dem Bauteppich, im Turnraum und beim gemeinsamen Anziehen in der Garderobe. In meinem neuen Format möchte ich euch zeigen, wie wir als interkulturelle Fachkraft für Sprache den Kita-Alltag nutzen, um Wortschatz mit allen Sinnen erlebbar zu machen. Diese Woche stand ein Thema im Fokus, das jedes Kind betrifft: der eigene Körper.

Warum das Benennen von Körperteilen mehr als nur Vokabeltraining ist

Es mag simpel klingen, Arme, Beine oder den Ellenbogen zu benennen. Doch dahinter steckt ein komplexer neurologischer und psychologischer Prozess:

  • Das Fundament der Identität (Körperbewusstsein): Nur wer die Begriffe für seinen Körper kennt, kann sich selbst im wahrsten Sinne des Wortes „begreifen“. Dieses Bewusstsein stärkt das Selbstbild und die Selbstwahrnehmung.
  • Grammatik zum Anfassen: Das Thema Körperteile eignet sich hervorragend, um Präpositionen einzuführen. Wo ist der Kitzelkäfer? Er krabbelt über den Arm, versteckt sich unter dem Fuß oder sitzt auf der Nase. So werden abstrakte Grammatikregeln zu einer fühlbaren Erfahrung.
  • Nachhaltigkeit durch Bewegung: Man nennt dies handlungsorientiertes Lernen. Wenn Kinder ein Wort hören und gleichzeitig die passende Bewegung dazu ausführen, wird der Begriff in verschiedenen Arealen im Gehirn verknüpft. Das sorgt dafür, dass das Gelernte viel tiefer sitzt als durch reines Wiederholen.

Ein Blick in die Praxis: So haben wir gelernt

In dieser Woche lag mein Augenmerk besonders auf einer Gruppe von sechs Fokus-Kindern. Durch die Arbeit in kleineren Gruppen kann ich gezielter auf individuelle Bedürfnisse eingehen, während das Angebot grundsätzlich offen für alle bleibt.

Wir haben verschiedene Impulse genutzt, um den Austausch anzuregen:

  1. Wahrnehmungsspiele: Mit weichen Federn oder Massagebällen haben wir die Körperteile erst einmal gespürt, bevor wir sie benannt haben.
  2. Bildkarten & Visualisierung: Um die Begriffe zu festigen, helfen visuelle Stützen, besonders für Kinder, die Deutsch als Zweitsprache lernen.
  3. Dokumentation: Die Fortschritte sind bereits deutlich sichtbar. Ich halte diese Entwicklungsschritte in den sogenannten Entwicklungsschnecken fest, um die Sprachreise jedes Kindes individuell nachvollziehbar zu machen.

Mein Fazit: Sprache ist Spiel

Mein wichtigstes Learning aus dieser Woche: Sprachförderung muss Spaß machen. Sobald ein Kind lacht und mit vollem Körpereinsatz dabei ist, öffnet sich das Tor zur Sprache fast von selbst. Es braucht keine sterilen Lerneinheiten, sondern Impulse mitten im Spiel.

Der Profi-Tipp für zu Hause

Ihr müsst keine extra „Lernzeit“ einplanen. Nutzt die tägliche Routine, zum Beispiel das Anziehen am Morgen: Verwandelt es in ein kleines Suchspiel! Fragt euer Kind: „Huch, wo versteckt sich denn gerade dein Ellenbogen im Ärmel?“ oder „Können deine Zehen im Socken wackeln?“. Diese kleinen Interaktionen festigen den Wortschatz ganz nebenbei und schaffen zudem einen Moment der bewussten Nähe.


Jetzt seid ihr gefragt! Gibt es Körperteile, bei denen eure Kinder immer kichern müssen, wenn sie sie aussprechen? Bei uns ist der „Bauchnabel“ aktuell der absolute Favorit. Schreibt es mir gerne in die Kommentare!

Avatar von Franzi :)

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