Was ist eigentlich ein Traumjob? Ich bin gerne Erzieherin und möchte genau dort bleiben, wo ich jetzt bin. Aber der Weg dahin, mich an meinem Arbeitsplatz wirklich angekommen zu fühlen, war lang. Es hat insgesamt knapp neun Jahre gedauert.

Struktur gibt Halt, aber Menschen sind Wellen

​An den Abläufen in der Kita lag es nicht. Diese sind bei uns sehr klar strukturiert, was mir extrem hilft. Mit ADHS und als Person im Spektrum geben mir feste Rahmenbedingungen die nötige Sicherheit. Die eigentliche Herausforderung war und ist die Ebene der Erwachsenen.

​Die Kommunikation mit anderen Erwachsenen empfinde ich oft als sehr komplex. Ich sehe Gefühle zu Menschen und den Austausch mit ihnen wie Wellen. Wenn die Wellenlänge passt, fließt es. Aber diese Wellen können auch sehr plötzlich abbrechen. Das zu navigieren, kostet mich viel Energie und war der Hauptgrund, warum ich so lange gebraucht habe, um meinen Platz im Gefüge zu finden.

​Mein Anker: Die Einzelförderung und Sprache

​Um mir ein angenehmeres Arbeiten zu verschaffen, durfte ich meinen Fokus verändern. Dafür danke ich meiner Chefin sehr, die mir den Raum gibt, mich auf diese Weise einzubringen. Ich arbeite heute viel mit einzelnen Kindern oder in Kleingruppen, besonders mit Kindern mit Migrationshintergrund, und konzentriere mich dabei auf die Sprachentwicklung.

​In dieser 1-zu-1-Situation oder Kleingruppe fühle ich mich sicher. Hier kann ich mich ganz auf das Kind und seine Fortschritte einlassen. Das soziale Rauschen der Großgruppe oder die unvorhersehbaren Wellen in der Kommunikation mit vielen Erwachsenen gleichzeitig fallen hier großteils weg bzw. sind vorhersehbarer und einfacher. Diese gezielte Spracharbeit ist mein fachlicher Rückzugsort geworden.

​Ich lerne noch immer, nicht neurotypisch zu sein

Auch nach neun Jahren bin ich noch mitten im Prozess. Ich lerne jeden Tag neu zu akzeptieren, dass ich einfach nicht neurotypisch bin. Das bedeutet, dass mein Arbeitsalltag anders aussieht und sich anders anfühlt als der meiner Kolleginnen und Kollegen.

​Manche Dinge sind für mich mühsamer, aber ich lerne, meine eigenen Grenzen ernst zu nehmen. Ich suche mir bewusst die Nischen – wie die Sprachförderung –, in denen ich meine pädagogische Leidenschaft ausleben kann, ohne meine eigenen Bedürfnisse zu übergehen. Dass das im turbulenten Alltag natürlich nicht immer geht, ist klar, aber für mich ist das ein kalkulierbares Risiko, mit dem ich umgehen kann.

​Fazit

Nach neun Jahren habe ich einen Weg gefunden, der für mich und meine Wahrnehmung funktioniert. Mein Traumjob bedeutet nicht, dass ich alles alleine mache – in einer Kita ist man immer Teil eines Teams, und das ist auch gut so. Alleine arbeiten wäre dort kaum möglich und auch nicht das Ziel.

​Es geht vielmehr darum, innerhalb dieses Teams eine Rolle auszufüllen, die meine Stärken nutzt und gleichzeitig Rücksicht auf meine Kapazitäten nimmt. Ich bleibe genau hier, lerne weiter mit den Wellen umzugehen und finde meine Erfüllung in der direkten Arbeit mit den Kindern.

Avatar von Franzi :)

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