Herzlich willkommen zu meiner Station der großen Blogtour zu „Soul Wings“! Ich freue mich riesig, dass du den Weg zu mir gefunden hast. Das neue magische Fantasy-Abenteuer von Stefan Gemmel hat mich von der ersten Seite an gefesselt, und umso mehr ist es mir eine Ehre, dass ich dem Autoren ein paar brennende Fragen stellen durfte.
Stefan hat sich unglaublich viel Zeit genommen und sehr ausführlich geantwortet. Er nimmt uns mit hinter die Kulissen seines Schreibprozesses, erzählt von seiner Recherche-Reise nach Finnland und verrät, wie viel Herzblut in der Entwicklung der Seelenvögel steckt.
Mach es dir gemütlich und tauche ein in ein inspirierendes Gespräch!
Das Interview mit Stefan Gemmel
1) Von der allerersten Idee im Kopf bis zum fertigen Buch im Laden: Wie lange hat dieser ganze Prozess bei Soul Wings gedauert?
Der erste Impulsnkam ja durch den Verlag, als das Lektorat mich anfragte, ob ich mir vorstellen könnte, zu der finnischen Legende der Seelenvögel eine Buchreihe zu verfassen. Der Moment nach diesem Telefonat war für mich der Auftakt zur Recherche, die mich ja bis nach Finnland gebracht hat.
Insgesamt brauchte der Prozess des Schreibens neun Monate – von denen ich allerdings nur sechs Wochen für das Buch benötigt habe. Die übrige Zeit galt allein der intensiven Recherche-Arbeit. Dann müssen wir noch ein halbes Jahr für Lektorat, Illustration, Satz und Druck des Buches zurechnen.
2) Was hat Sie persönlich dazu bewogen, die Geschichte in Finnland anzusiedeln? Gibt es dafür vielleicht sogar ganz persönliche Gründe oder Erlebnisse?
Die Hanndlung spielt in Finnland, weil es dort die Legende der Seelenvögel gibt. Und auch, weil in Finnland die wunderbare Sage „Kalevala“ angesiedelt ist. Diese Sage ist vergleichbar mit unserer Nibelungen-Sage, allerdings hat sie viel mehr bewirkt. Durch diese Sage hat die finnische Bevölkerung nach allerhand Kriegen und Annexionen ein „Wir-Gefühl“ entwickelt. Erst durch diesen Schatz an Einzelgeschichten, die der Lehrer und Dichter Elias Lönnrot jahrelang zusammengetragen hat, erwachte in den Finnen ein gesundes, verbindendes Nationalgefühl. Alles das hat mich sehr angeregt und inspiriert.
3) Der Begriff Seelenvögel klingt unglaublich poetisch. Was genau macht diese Wesen so besonders, und was erhoffen Sie sich, welches Gefühl diese Vögel beim Publikum hinterlassen?
Der Sage nach begleiten uns die Seelenvögel durch unser Leben. Vor allem sorgen sie dafür, dass wir nachts gut in den Schlaf und am Morgen wieder gut hinausfinden. Sie sind es auch, die uns aus Alpträumen herausführen.
Meine Hoffnung ist, in den Kindern, die diese Geschichte lesen oder vorgelesen bekommen, ein Gefühl zu wecken von: „Du bist nicht allein.“ Ich hoffe, sie entwickeln ein Bewusstsein, dass ihnen immer geholfen werden kann – nicht auf magische Weise, sondern indem sie sich umschauen, wer ihnen gerade beistehen könnte. „Du bist nicht allein“ bedeutet: Da gibt es immer jemanden, der dir bei deinem Problem hilft und mit dir Lösungen erarbeitet. Es liegt an dir, auf so jemanden zuzugehen.
Durch die Seelenvögel und die magische Geschichte kann ich diese Botschaft auf eine unaufdringliche, freundliche, leichte Weise transportieren.
4) Wenn Sie auf all Ihre Charaktere blicken: Haben Sie einen ganz persönlichen Lieblingscharakter in der Geschichte, der Ihnen besonders ans Herz gewachsen ist?
Ja, unbedingt: Es ist der Seelenvogel des Gnoms Rasmus, der in einer verfallenen Mühle lebt. Dieser Seelenvogel ist – passend zu dem alten Gnom – ein zerrupfter, tollpatschiger Zeisig, mit krummem Schnabel, krummen Beinen, krummen Flügeln. Er ist eine meiner Lieblingsfiguren des Buches und der Grund dafür ist sicherlich, dass ich ein Faible habe für alle Wesen, die anders sind als die meisten anderen, die im Alltag ungesehen bleiben, die so manche Wunde mit sich tragen müssen und sich einfach nur jemand Vertrauten an die Seite wünschen.
5) Die Zwillinge entdecken ja den Raum, in dem Aava gelebt hat, voller gebastelter Vögel aus den finnischen Wäldern. Wie wichtig war für Sie im Vorfeld die Recherche über echte Vogelarten für dieses magische Abenteuer?
Mir war vor allem wichtig zu erfahren, welche Eigenschaften man besonderen Vögeln zuspricht, um so den jeweils richtigen Vogel für meine Hauptfiguren zu finden. Das heißt: Ich habe mich mit den Charakteren beschäftigt, die man einzelnen Vögeln nachsagt, damit sie den Fähigkeiten und Eigenschaften meiner Personen entsprechen. Das war sehr reizvoll und spannend für mich.
6) Das Buch ist der Auftakt einer Fantasy-Reihe und endet mit dem Weg durch das zweite Portal. Stand diese Entwicklung von Anfang an fest oder hat sich die Geschichte beim Schreiben entwickelt?
Nein, ich plane meine Bücher beinahe nie. Ich lasse mich durch die Geschichte ziehen. Das bedeutet: Ich überlege mir eine besondere Ausgangsposition und entwerfe meine Charaktere. Letzteres nehme ich sehr genau, denn die Handlung eines Buches basiert ja auf den Personen. Wenn ich also meine erste Szene weiß, dann bin ich mir auch im Klaren darüber, wie eine meiner Figuren – ihren Eigenschaften nach – auf diese Situation reagieren würde und schreibe los. Dann genau packt mich meine eigene Geschichte und die Ideen rollen nur so auf mich zu. Ich schreibe quasi dem Film hinterher, der sich in meinem Kopf abspielt. Und diese Art zu schreiben führt mich dann durch die Geschichte und zum Schluss hin.

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